Gesundheitsfonds einstampfen
Rheinische Post, 20.02.2009 „Gesundheitsfonds einstampfen“Generalsekretär Dirk Niebel über Regierungspläne der FDP
Wie sehen Sie eine Beteiligung des Staates bei Opel?
Niebel Wegen der Arbeitsplätze werden wir uns das in den betroffenen Ländern sehr genau anschauen müssen. Sicher ist: Der Staat ist nicht der bessere Bankier, er ist nicht der bessere Unternehmer, und er wird auch nicht der bessere Autobauer sein. Gebraucht werden zunächst tragfähige Unternehmenskonzepte. Sonst erinnert das an Holzmann, wo der Staat auch den Wettbewerb verzerrt hat, ohne das Unternehmen retten zu können. Richtig wäre es, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass es alle Unternehmen leichter haben in Deutschland. Das heißt zum Beispiel: Weg mit der unsäglichen Besteuerung der Kreditzinsen!
Verstaatlichung und Enteignung einer Bank – hätte das eine Union-FDP-Regierung
auch beschlossen?Niebel Definitiv nein! Es kann Krisensituationen geben, in denen der Staat mit einsteigen muss. Dann muss er im Unternehmen auch etwas zu sagen haben. Enteignungen sind etwas ganz anderes. Alle Konjunkturpakete können nur verpuffen, wenn die Regierung ernsthaft Enteignungen einplant. So werden Investoren verprellt. Da könnte die Regierung gleich ein großes Schild an die Grenzen hängen: „Lasst Euer Geld zu Hause. Hier ist es nicht mehr sicher.“
Wie erklären Sie sich den Zulauf zur FDP gerade jetzt, da neoliberale Konzepte in Misskredit geraten?
Niebel Wir können nachweisen, dass wir von Anfang an die besseren Konzepte zur Bankenaufsicht und für mehr Transparenz vorgelegt haben. Die viel gescholtenen Neoliberalen haben Spielregeln der Sozialen Marktwirtschaft eingeführt und den Staat als Schiedsrichter aufs Spielfeld gestellt. Der soll darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Wenn nun die Regierung den Schiedsrichter Tore schießen lassen will, kann man sich doch vorstellen, was im Stadion los ist. Deshalb verliert die Union Anhänger, die zu uns kommen.
Was wollen Sie anders machen, wenn Sie mitregieren?
Niebel Die Mittelschicht ist über Jahre vernachlässigt worden. Wir werden ihre Interessen vertreten und auch die bürgerlichen Freiheitsrechte wieder in den Mittelpunkt rücken. Es wird keine Koalitionsvereinbarung geben, ohne dass eine echte Steuerstrukturreform auf den Weg gebracht wird.
Und der Gesundheitsfonds?
Niebel Der ist einer der größten Fehler der großen Koalition. Da werden 168 Milliarden bürokratisch umverteilt, ohne dass auch nur ein Patient besser behandelt wird. Das Ding werden wir wieder einstampfen.
Die Bundesagentur für Arbeit?
Niebel Die werden wir auflösen und durch effektivere Strukturen ersetzen.
Gregor Mayntz fasste das Gespräch zusammen.










