Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und FDP-MdB aus dem Wahlkreis Heidelberg

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Samstag, 4. Februar 2012

Grußwort ''Africa meets Business''

16.03.2010, PG Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,
„Hilfe ist wunderbar. Wohltätigkeit großartig - aber sie wirken nur wie Aspirin. Aspirin wird Afrika nicht entwickeln, sondern bestenfalls die Schmerzen lindern. Was wir brauchen, ist mehr Business in Afrika.” Ich hoffe, ich bin nicht der einzige, der dieses Zitat des Pioniers des Mobilfunks Dr. Mohamed Ibrahim kennt – und gut findet.

Africa meets Business – Wenn wir es das tatsächlich schaffen, und die Wirtschaft mit Afrika in konkrete Verhandlungen kommt, dann ist meine entwicklungspolitische Arbeit getan.
Insofern vielen Dank an Kollegen Hartwig Fischer für eine konsequente Entwicklungszusammenarbeit, die Hilfsbedürftigkeit abbaut – und am Ende meinen Abgang beschleunigt.
Wenn ich die erfolgte Neuorientierung im BMZ etwas salopp formulieren  darf, dann würde ich sagen: Natürlich bleibt Armut ein Thema, aber so, dass die Potentiale im Vordergrund stehen. Natürlich helfen wir, aber zur Selbsthilfe.
Afrika ist ein Kontinent mit 53 Nationen, mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, historischen Entwicklungen, Religionen und Lebensweisen. Afrika ist voller Fortschritte - sowohl wirtschaftlicher Art als auch im Hinblick auf die Qualität der Staatsführung.
Durch diese Fortschritte eröffnen sich für Unternehmen große Möglichkeiten, rentabel zu arbeiten und dabei einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen zu leisten
Ein dynamischer Privatsektor ist die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und Armutsbekämpfung.  
Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und Einkommen, sie zahlen Steuern und stellen Ausbildungsplätze bereit.
Mein Appell an die deutsche Wirtschaft lautet: Investieren Sie in Afrika. Es lohnt sich.
 „Wenn einmal die Geschichte des 21. Jahrhunderts geschrieben wird, könnte klar werden, dass sich Afrika heute an dem Punkt befindet, an dem Ostasien sich Ende der 1950er befand - kurz davor die Welt zu überraschen.“
Michael Klein, der frühere Vizepräsident Weltbank und Chefökonom der Weltbank hat das so gesagt – aber es könnte von mir stammen.
Ich habe mich sehr gefreut, Ende letzten Monats in einer großen deutschen Tageszeitung von eben diesen Möglichkeiten und der wirtschaftlichen Dynamik in Afrika zu lesen (FAZ 27.02.2010 Titel Auf dem Weg zum Hightech-Kontinent – Hoffnungswert Afrika … Investmentfonds setzten auf neue Wirtschaftsdynamik.)
Dort wird ein Fondsmanager zitiert: „Die Kapitalmärkte in Afrika bieten eine Chance, wie sie eine Generation nur einmal bekommt“.
Und es wird von Erfolgsgeschichten berichtet, so z.B. von Safaricom in Kenya. 80% der Kenianer sind nahezu in Lichtgeschwindigkeit zu einem Handy gekommen! Von solchen Erfolgsgeschichten brauchen wir mehr.   
Der Doing Business Report 2010 (Übrigens steht ein afrikanisches Land, Rwanda, an der Spitze der Reformer) ist bezeichnenderweise übertitelt: ‚Reforming through difficult times’.  Und es sind schwierige Zeiten.
Die Wirtschaftskrise hat auch Afrika getroffen. 2009 gab es einen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 1,6%, aber für 2010 rechnet der IWF schon wieder mit einer Erholung auf 4,3% und für 2011 sogar mit 5,3% - und hat seine Schätzungen immer wieder nach oben korrigiert. Dies zeigt drei Dinge:
Afrika wird unterschätzt.  
Afrika war aufgrund der makroökonomischen Konsolidierung der letzten Dekade gut aufgestellt, um dem Schlimmsten zu trotzen.
Afrika hat vielleicht wie kein anderer Kontinent in der Welt die Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen und nach vorn zu blicken.
Ich selber habe auf meiner Afrikareise Menschen getroffen, die trotz widrigster Umstände voller Mut und Tatendrang eine Verbesserung ihrer Situation aus eigener Kraft anstreben.
Diese Beobachtung enthält für mich zwei ganz wichtige Kernbegriffe – Eigenverantwortung und Selbsthilfekräfte.
Daher haben wir die Förderung nachhaltigen Wirtschaftswachstums zu einem unserer Schwerpunkte in Afrika gemacht. Konkret geht es um drei Bereiche:
Bei der Finanzsystementwicklung und insbesondere im Bereich Mikrofinanzierung ist Deutschland einer der größten Geber. Ich möchte die Spitzenposition in diesem Bereich zurückgewinnen.  
Wirtschaftsentwicklung in Afrika ist auch Agrarwirtschaftsförderung. Hier gibt es Menschen, die ein enormes wirtschaftliches Potenzial entfalten, wenn sich ihnen Märkte öffnen.
Wirtschaft braucht gute Rahmenbedingungen. Wir wollen für Rechtssicherheit und Korruptionsfreiheit sorgen.
Sicher, noch sind die Märkte in Afrika klein, aber die regionale Integration ist die Zukunft und das Potential für Pioniere groß.
Rechnen Sie damit, dass die «afrikanischen Löwen» in diesem Jahrzehnt das Äquivalent der asiatischen Tiger sind.
Begreifen Sie Afrika als Kontinent voller Möglichkeiten für Pioniere.


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