Wir haben noch einiges vor
Mannheimer Morgen, 20.01.2009FDP-Generalsekretär Dirk Niebel über den Wahlerfolg in Hessen und neue Handlungsspielräume im Bund
FDP: Generalsekretär Niebel über den Wahlerfolg in Hessen und neue Handlungsspiel- räume im Bund
"Wir haben noch einiges vor"
Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Mack
Berlin/Mannheim. So fröhliche Gesichter wie bei der FDP hat man selten an einem Wahlabend gesehen. Generalsekretär Dirk Niebel sieht seine Partei bundesweit im Aufwind.
Haben Sie die Siegesfeier genossen?
Dirk Niebel: Wir haben moderat gefeiert. Natürlich freuen wir uns über das Ergebnis, aber wir haben dieses Jahr noch einiges vor: eine bessere Politik für die Mittelschicht in Deutschland zu organisieren.
Die 16,2 Prozent in Hessen sind natürlich ein Pfund ...
Niebel: Ja, daran könnte ich mich schon gewöhnen.
Fangen Sie jetzt wieder an, Schuhsohlen zu bekleben?
Niebel: Wir haben nicht nur eine enorme Zustimmung erfahren, weil wir geradlinig und glaubwürdig sind, sondern auch für unsere Inhalte.
Die Hessen-FDP fiel eher mit Nibelungentreue zu Roland Koch auf.
Niebel: "Nibelungentreue" liegt zwar phonetisch nah an meinem Namen. Wir sind aber eine eigenständige Partei. Und die hessischen Liberalen haben in der Landesregierung bereits bewiesen, welch erfolgreiche Politik sie machen können.
Aber seit 2004 hielten sie Koch in der Opposition stur die Treue. Müsste die FDP im Fünf-Parteien-System nicht flexibler sein?
Niebel: Wir haben gerade am Sonntag wieder gesehen, dass auch bei fünf Parteien stabile Zweierbündnisse möglich sind. Zudem war die SPD unter Frau Ypsilanti bis zuletzt so klar auf Rot-Rot-Grün ausgerichtet, dass wir da unmöglich mitmachen konnten.
Treffen Sie auch bei der Bundestagswahl eine Koalitionsaussage?
Niebel: Die Wähler haben ein Recht darauf zu wissen, woran sie sind. Daher werden wir auf einem Bundesparteitag im Sommer eine förmliche Koalitionsaussage beschließen.
Einige Liberale halten Schwarz-Gelb wohl schon für ausgemacht?
Niebel: Dass wir uns über das herausragende Wahlergebnis freuen, sollte man uns zugestehen. Aber wir bleiben mit den Beinen auf der Erde: Dieses Jahr stehen noch 14 Wahlen plus die des Bundespräsidenten an. Da ist es bis zu einem politischen Wechsel in Deutschland noch ein weiter Weg. Der sehr ordentliche Start in Hessen macht uns aber zuversichtlich.
Was macht die FDP in der Finanzkrise für die Wähler attraktiv? Ihre Nähe zu den Kapitalmärkten?
Niebel: Die Fehler wurden unter der rot-grünen Regierung begangen. Wir Liberale verfügen über hohe Kompetenz zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme unseres Landes. Daher wollen wir jetzt auch das Konjunkturpaket II verbessern: mehr Steuererleichterungen, weniger Staatsschulden.
Welche Steuern wollen Sie senken?
Niebel: Grundsätzlich sind wir natürlich für eine umfassende Steuerreform. Aber das ist mit der jetzigen Bundesregierung illusorisch. Daher wollen wir wenigstens einige Entlastungen erreichen.
Woran denken Sie da?
Niebel: Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, den Grundfreibetrag nicht wie geplant in zwei Stufen und erst im Sommer beginnend anzuheben, sondern auf einen Schlag rückwirkend zum 1. Januar. Auch der Abbau von Investitionshemmnissen wäre sinnvoll. Dazu ist im Paket der Regierung gar nichts vorgesehen.
Ohne derlei Änderungen blockieren Sie das Konjunkturpaket?
Niebel: Anders als die Sozialdemokraten Lafontaine, Schröder und Eichel werden wir den Bundesrat nicht zur Blockade missbrauchen, sondern zum konstruktiven Mitwirken nutzen. Im Übrigen haben wir dem Konjunkturpaket I trotz mancher Bedenken zugestimmt - im Gegensatz zu den SPD-regierten Ländern.
Mannheimer Morgen
20. Januar 2009










