20.01.2010
Die Sicherheitslage muss unter Kontrolle bleiben
"Die Sicherheitslage muss unter Kontrolle bleiben"
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel: Zugesagte Lebensmittel müssen die Bevölkerung zügig erreichen
Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) beklagt, bislang seien nur bei einem Bruchteil der Bewohner von Haiti Hilfsleistungen angekommen. Das müsse sich zügig ändern, sagte Niebel im Gespräch mit unserem Berliner Korrespondent Hagen Strauß.
Interview mit Bundesminister Dirk Niebel,
erschienen am 19.01.2010 in der Saarbrücker Zeitung
Stehen Sie in Kontakt mit Haiti?Niebel: An dem im Auswärtigen Amt eingerichteten Krisenstab Haiti nimmt mein Ministerium regelmäßig teil, so dass wir laufend über die aktuelle Lage in Haiti informiert sind.
Haben Sie Neuigkeiten von den vermissten Deutschen?Niebel: Derzeit muss davon ausgegangen werden, dass am letzten Samstag wahrscheinlich ein erstes deutsches Opfer gefunden wurde. Ich bin darüber informiert, dass das Auswärtige Amt fieberhaft bemüht ist, den Aufenthalt weiterer 16 Deutscher zu klären, die derzeit vermisst werden.
Es heißt, das Krisenmanagement vor Ort sei chaotisch. Ist das auch Ihr Eindruck?Niebel: Man muss wissen: Der Flughafen und der Hafen sind stark beschädigt. Trotz dieser zerstörten Transport- und Kommunikationswege sind Hilfslieferungen angelaufen. Dabei konnte aber bisher nur ein Bruchteil der drei Millionen betroffenen Haitianer erreicht werden. Dies muss in den nächsten Tagen dringend ausgeweitet werden.
Die Haitianer verlieren aber offenbar langsam die Geduld. Wie kann die Hilfe schnell effektiver werden?
Niebel: Die Vereinten Nationen und ihre Partner arbeiten mit Hochdruck daran, Hilfslieferungen nach Haiti zu transportieren und an die betroffenen Menschen zu verteilen. Dies setzt voraus, dass die Sicherheitslage auch weiterhin unter Kontrolle bleibt. Ich erwarte durch die Zusage der USA, Soldaten zur Unterstützung nach Haiti zu entsenden, eine weitere Verbesserung der Situation und rechne damit, dass die zugesagten und dringend benötigten Lebensmittel die Menschen auch zügig erreichen.
Gerade die UNO scheint aber erneut überfordert zu sein.Niebel: Die UN-Mission in Haiti ist durch das Erdbeben schwer getroffen worden. Es wird derzeit alles Menschen mögliche getan, um der haitianischen Bevölkerung zu helfen, nicht nur von den UN, sondern auch von allen anderen im Land vertretenen Helfern.
Welchen Beitrag leistet Deutschland?Niebel: Die Bundesregierung hat aktuell 7,5 Millionen Euro für die Menschen in Haiti bereitgestellt. Ich hatte kurz nach dem Beben zunächst 500.000 Euro für Nahrungsmittelsoforthilfe zugesagt. Die Mittel wurden gleich bereitgestellt und werden nun im Rahmen eines laufenden Nothilfe-Vorhabens zum Ankauf von Lebensmitteln in der Dominikanischen Republik und Transport in das Katastrophengebiet verwendet. Damit können rund 30.000 Personen einen Monat lang versorgt werden. Außerdem haben wir dem Welternährungsprogramm zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Auswärtige Amt hat zudem insgesamt weitere fünf Millionen Euro für humanitäre Soforthilfe, unter anderem für den Betrieb einer mobilen Klinik und für Wasseraufbereitung durch das Technische Hilfswerk bereitgestellt.